Proselyt
Proselyt am Tore, oder Beisaß-Proselyt. »Proselyt« ist eine griechische Benennung, die bei den griechisch redenden Juden und im jüdisch-griechischen Schrifttum eine allgemeine Bezeichnung für »Fremder« im Sinne von »Einwanderer« und »Übergetretener« zur jüdischen Religion war und in der griechischen Bibelübersetzung »Septuaginta«, für das hebräische »ger«, gesetzt wird. Da das jüdische Staatsgesetz von Fremden, die sich dauernd in Palästina niederlassen wollten, die Anerkennung und Nichtübertretung gewisser Religionsgesetze forderte (s. weiter), sodass dieser, wenn er sich hierzu verpflichtete, schon dadurch sich teilweise zur Religion des Judentums bekannte, so wurde das Wort »Proseleyt«, hebräisch »ger«, im Sinne von »Übertreter« zum Judentum, »Neujude« gebraucht. Diese Gesetze, deren Beobachtung von den Fremden, Proselyten, gefordert wurden, waren: nicht den Götzen zu opfern und überhaupt Götzendienst zu treiben, nicht Gott zu lästern, sich des Blutgenusses zu enthalten u. a. m. Die Beschneidung war nur dann ihm unerlässlich, wenn er am Pessachmahl teilnehmen wollte, sonst wurde dieselbe nicht von ihm gefordert. Die Lehre der talmudischen Zeit haben diese Gesetze unter der Benennung »Noachidische Gebote« zusammengefasst und in Folgendem angegeben: keine Götter zu verehren, nicht Gott zu lästern, keinen Mord zu begehen, jede Blutschande und andere Buhlereien zu vermeiden, nicht zu rauben, die Obrigkeit und deren Gesetze zu respektieren, keine von noch lebenden Tieren abgeschnittenen Gliedteile sowie deren Blut zu genießen. Mit der Verpflichtung, nach diesen Gesetzen zu leben, erhielt er nicht bloß das Recht, im Lande zu wohnen, sondern war auch politisch mit den anderen Israeliten völlig gleichberechtigt. Ausdrücklich befiehlt das Gesetz: »Gleich dem Einheimischen unter euch soll der Fremdling sein, der bei euch weilet, und du sollst ihn wie dich selbst lieben, denn Fremde wart ihr im Lande Ägypten, ich der Ewige, euer Gott!« »Ein Gesetz sei für euch und den Fremden«; »Hält sich ein Fremder in eurem Lande auf, so drückt ihn nicht, denn Fremdlinge waret ihr im Lande Ägypten«; »Liebet den Fremdling«; »Der Ewige, euer Gott, der Gott aller Götter, der Herr der Herren, der keinen Unterschied der Person kennt, er liebt den Fremden, gibt ihm Brot und Kleidung; so liebet auch ihr den Fremden«; »Der
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