Name
Namen. Personennamen, Beinamen, auch Spitznamen. Die Personennamen in der Bibel und in der nachbiblischen Literatur des Judentums liefern bei Beachtung ihrer geschichtlichen Entwicklung und Gestaltung einen nicht unbedeutenden Beitrag zur Kenntnis des jüdischen Volkstums, seines Lebens und seiner Sitten und machen so einen beträchtlichen Abschnitt seiner Kulturgeschichte aus.
I. Bezeichnung, Begriff, Bedeutung und Würdigung. Der hebräische Ausdruck für »Name« ist schem, pl. Schemoth. Derselbe bedeutet ursprünglich »Kennzeichen«; in Bezug auf Menschen die Kennzeichnung des einen von dem anderen nach seiner äußeren oder inneren Eigenheit, als die ihm zukommende Benennung, die Bezeichnung, also den Namen nach seiner Individualität. In weiterem Sinne jedoch versteht man unter ihm auch: »Ruhm«, »Ansehen«, »Würde«, »Erinnerung« und »Gedächtnis« als Angabe des sittlichen Wertes und der Bedeutsamkeit einer Person. So hat die Bibel die Aussprüche: »Männer von Namen«, d.h. von Ruhm; »sich einen Namen (Ansehen) verschaffen«; »ich werde deinen Namen groß machen« (1. M. 12. 2.); »ewiger Name« (Erinnerung); sowie entgegengesetzt: »ohne Namen« (Ruhm); »den Namen (Gedächtnis) vertilgen«; »Der Name (d. h. das Gedächtnis) der Frevler verwest« u. a. m. Eine noch weitere Bezeichnung dieses Wortes ist die der Zugehörigkeit, der Kraft und Vollmacht einer Person, für die etwas geschieht, als z. B. in dem Ausspruch: »Er baute ein Haus im Namen des Herrn.. So bezeichnet dieser Ausdruck neben dem Namen der Geburt auch den des Verdienstes; nächst der leiblichen Benennung auch die sittliche und geistige: die Eigenheit, wie der eine Mensch von dem anderen sich auch durch seine errungenen sittlichen Vorzüge unterscheidet und der Welt sich bekannt gemacht hat. Es braucht kaum erinnert zu werden, dass von beiden letzteren der Vorzug zuerkannt und derselbe als der zu erringende aufgestellt wird. Es dürfte nicht übrig erscheinen, einige Lehren und Sprüche aus Bibel und Talmud darüber hier anzuführen. »Ein (guter) Name ist vorzüglicher als viel Reichtum«; »Ein guter Name ist besser als gutes Öl, und der Tag des Todes als der der Geburt«; »Wer einen guten Namen sich erwirbt, erwirbt ihn für sich selbst, und wer Gelehrsamkeit (Worte der Thora) sich aneignet, eignet sich geistiges Leben (das Leben in der zukünftigen Welt) an«; »Drei Kronen gibt es«, lehrte R. Simon (im dritten Jahrhundert n.), »die Krone der Lehre (Thora), die Krone des Priestertums und die Krone der Obrigkeit, aber die Krone eines guten Namens überragt sie alle«; ferner: »Drei Namen hat der Mensch: den einen von seinen Eltern, den anderen von den Leuten und den dritten nach dem Buche seiner Schöpfung (seiner Naturbegabung), welcher von diesen ist der vorzüglichste?« Koheleth hat es in einem Spruch erklärt: »Besser ist ein guter Name als gutes Öl und der Tag des Todes vorzüglicher als der der Geburt«; »Vier Eigenheiten bemerken wir bei den Namen. Es gibt Leute mit schönen Namen und ebenso schönen Taten; mit schönen Namen, aber mit hässlichen Taten: mit hässlichen Namen und hässlichen Taten und endlich mit hässlichen Namen, aber mit schönen Taten. « Bezeichnend dafür ist die dem Lehrer R. Jochanan (im dritten Jahrhundert n.) zugeschriebene Schlussrede nach Beendigung des Hiobbuches: »Der Mensch stirbt und das Vieh wird geschlachtet, alles verfällt dem Tode. Heil dem, der groß in der Thora geworden, sich in derselben abgemüht und seinem Schöpfer Freude bereitet; mit einem guten Namen groß geworden und im guten Namen gestorben«, von demselben heißt es: »Besser ist ein guter Name als gutes Öl.. Ferner gehört hierher der Lehrspruch eines anderen: »Und ich mache dir einen Namen gleich dem Namen der Großen« (1. Chr. 17, 8), das ist, wenn im Gebet wiederholt wird: »Gott Jakobs.« Den Gegensatz zu diesem durch gute Werke errungenen Ehrennamen bildet der böse Name, der verdient oder unverdient dem Menschen beigelegt wird. Unverdient einem Menschen einen »bösen Namen« beizulegen, ist sünd-
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