Bußmahnungen
Bußmahnungen, Bußreden. Mahnungen zur Buße durchziehen die ganze Bibel, sie bilden den Kern ihrer sittlichen Ideen und Lehren. Fast jede Strafandrohung in Folge der Sünde schließt mit Bußmahnungen, an welche die Heilsverkündigungen, die Verheißungen der Wiedererhebung des Sünders, geknüpft werden. Eine der schönsten Bußreden dieser Art haben wir in 5. M. 3o, die sich der Strafverkündigung des Exils auf Abfall und Götzendienst eng anschließt. Wir bringen von derselben: »Wenn über dich alle diese Worte des Segens und Fluches kommen — und du zum Ewigen, deinem Gotte zurückkehrst, wieder hörst auf seine Stimme mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele. Der Ewige dein Gott nimmt sich deiner Gefangenschaft an, er erbarmt sich deiner, sammelt dich wieder von allen Völkern, wohin dich der Ewige dein Gott zerstreut hat.« Solche Bußmahnungen werden im Gesetz jedem Israeliten zur Pflicht gemacht. Über den Grund dieser Pflicht hat Ezechiel 3. i5 — z z die bedeutungsvollen Worte: »So wir es verabsäumen und indessen der Sünder in seiner Schuld stirbt, ohne dass er vor den Folgen seines Wandels gewarnt wurde, sein Blut wird von uns gefordert, aber wenn wir unsere Bußmahnung an ihn gerichtet, und der Frevler dennoch in seinem Frevel beharrt und in ihm stirbt, so haben wir doch unser Leben gerettet.« Wie wichtig solche Mahnungen waren, ersehen wir aus dem Schluss des Bußpsalms: »Ich werde Abtrünnigen deine Wege lehren und die Sünder kehren zu dir zurück.« Der Talmud hat mehrere Bußreden, die man bei verschiedenen Anlässen, besonders bei dem wegen Regenmangels veranstalteten öffentlichen Gottesdienste zu halten pflegte. So lautet die eine: »Meine Brüder! Es heißt nicht von den zu Ninive in Buße zu Gott Zurückkehrenden: >Gott sah ihren Sack und ihr Fasten<, sondern: >Gott sah ihre Taten, sie wichen von ihren bösen Wegen ab<, und wie dort, so mahnt auch der Prophet: »Zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider und kehret zum Ewigen zurück usw.« Eine andere schließt: »Meine Brüder! Erbarmt euch einander, übet unter euch Werke der Barmherzigkeit, damit Gott sich auch unser erbarme.« R. Chanina, ein Amora des 3. Jahrh. zu Sephoris, lud auf Wunsch seiner Gemeinde den R. Josua ben Levi aus Lydda, der im Rufe großer Frömmigkeit stand, zu einem solchen Gottesdienste ein. Beide vereinigten sich zum Gebet um Regen und als derselbe nicht eintraf, sprach ersterer: »Wisset, meine Brüder, nicht R. Josua b. L. bringt den Leuten im Süden den Regen, nicht Chanina hält ihn in Sephoris zurück, sondern jene sind weichen Herzens, sie hören die Worte der Lehre und demütigen sich, aber die Bewohner Sephoris sind hartherzig und werden durch die Mahnungen der Lehre nicht demütig.« Diesen reihen wir die in der Mischna erwähnte Mahnrede des Hohenpriesters an die des Ehebruchs verdächtige und zum Trinken des Fluchwassers verurteilte Frau. »Höre, was die Weisen sagen und die Väter nicht verschweigen. Juda bekannte seine Sünde, er schämte sich nicht und erlangte dadurch das jenseitige Leben; Reuben sündigte, er bekannte seine Schuld und rettete sein
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